Käthe Kruse 

"Danke! Die Tödliche Doris"
eine Koproduktion mit KLANGSPUREN Schwaz


Die Künstlerin Käthe Kruse war von 1982 bis 1987 als Schlagzeugerin Mitglied von Die Tödliche Doris, die 1979/1980 von Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen als konzeptuelle Musikband mit Ausflügen zum Film, zur Bildenden Kunst, zur Literatur und zur Performance gegründet worden war. Die Tödliche Doris stand in den 1980er Jahren an der Spitze der in Berlin (West) und weit darüber hinaus höchst einflussreichen Nicht-Bewegung der Genialen Dilletanten (sic!). Das gleichnamige Subkultur-Festival, das 1981 im Berliner Tempodrom stattfand, gehört zu den Highlights der künstlerischen Alternativszene der 1980er Jahre. Es ging um eine Feier des Nicht-Könnens. Schon die absichtlich falsche Schreibweise von „Dilettantismus“ widersprach dem Imperativ des Perfektionismus. Die Tödliche Doris erreichte weltweite Bekanntheit als Performance- und Künstlergruppe, war u.a. vertreten auf der documenta 8 in Kassel, hatte Auftritte im Musée d’Art Moderne in Paris und im Museum of Modern Art in New York und löste sich planmäßig 1987 auf.

Die Ausstellung zeigt sowohl eine Sektion mit Dokumentationsmaterialien zu Die Tödliche Doris als auch individuelle konzeptuelle und experimentelle Arbeiten von Käthe Kruse. Ihr Ansatz des „Do it yourself“, der typisch war für die frühe Punk- und Hausbesetzerszene, hinterfragt, ob man im Gebiet der Bildenden Kunst, das auf einer kommerzialisierten Ausdifferenzierung von Formfragen beruht, deren Wertehierarchien auch ignorieren kann, ja muss. Ihre künstlerischen Arbeiten, die sich zwischen Raumgestaltung, Malerei, Musik und Performance bewegen, gehen immer von Appropriationen bzw. Alltagsobjekten und Vorgefundenem aus.
Käthe Kruse zeigt Relikte, Reliquien und Artefakte ihrer Zeit mit Die Tödliche Doris, aber auch eine Auseinandersetzung mit deren Hinterlassenschaft. Sie singt in den Räumen der Galerie Lieder in Leder, halb verborgen in einer Ledersäule, begleitet von ihrer Tochter Edda auf dem lederbezogenen Originalschlagzeug aus der Die Tödliche Doris-Ära. kommentiert durch gelegentliche Einwürfe ihrer zweiten Tochter Klara. Lieder in Leder basieren als Live Version auf den kurzen A Capella-Songs aus der legendären und mittlerweile hoch gehandelten Box Die Tödliche Doris – Chöre & Soli, die 1983 von der Berliner Kunst-Musik-Galerie gelbe MUSIK herausgegeben wurde. Die Box enthält neben einem Katalogheft mit den 16 Liedtexten acht kleine bunte kleine Schallplatten und eine einfachen Schallplattenspieler, wie sie in sprechende Puppen eingebaut wurden. Im Keller des barocken Palais Enzenberg zeigt Käthe Kruse in einer Late Nite Lounge am späten Abend ihre Performance Krieg.

Text: Matthias Osterwold & Cosima Rainer
Foto: Doll Mohead