Stefan Sandner 

Welche Art von Malerei entspricht unserer Zeit? Unserer Sehnsucht nach „kreativer“ Verflüssigung aller Zusammenhänge? Was berührt uns in dieser Zeit der Formlosigkeit? Welche Bilder könnten sie „einfangen“?

Stefan Sandner setzt an mehreren Hebeln an, wenn er sich mit der Malerei und ihrer Geschichte auseinandersetzt. In Form von Gekritzel, Notizen, einem Spiel mit den Codes von Pinselstrich, Farbauftrag und Leinwandform sowie in gestischen Kürzeln verhandeln seine Bilder wesentliche Pathosformeln der Malereigeschichte. Gerade in der „Königsdisziplin“ der Malerei tauchen Kategorien wie Autorschaft, Subjektivierung, Expression, Repräsentation sowohl in einem vormodernen wie auch in einem reflexiven Zugang immer wieder auf. Im Sinne der Moderne und ihrer nachfolgenden Diskurse operiert Sandner mit Fragen zur Analyse der eigenen Funktion. Die sogenannten Gegner eines selbstkritischen Blicks auf die Kunst entpuppen sich dabei als hartnäckige Widersacher, die kaum zu Boden gerungen, wieder aufstehen und erneut mit Aura aufgeladen werden. Im Sinne eines „Die harder“ gibt es so immer genug Stoff für weitere Reflexionen, Kampfszenen und Meta-Malereien, die das „sich-selbst-problematisch-werden“ der ästhetischen Grundbegriffe weiterführen.

Sandners lakonische Notizen, die teilweise an Nachrichten oder Kommentare erinnern, die jemand auf Notizzetteln hinterlassen hat, sowie seine Wörter-Aneinanderreihungen, die sich mit historischen Kunstwerken oder emotionalen Zuständen befassen, kommentieren immer auch die Reproduktionsbedingungen bzw. das Arbeitsumfeld und den sozialen Zusammenhang, in dem sie entstehen.
Indem Stefan Sandner die BetrachterInnen zugleich als LeserInnen adressiert, zelebriert er ein gekonntes Spiel mit Ironie und Witz, in dem die Betrachtung der Malerei als scheinbar Nebensächliches in Erscheinung tritt. Die riesigen Leinwand-Formate, die in ihren Dimensionen an die bedeutungsvolle Historienmalerei des 19. Jahrhunderts anknüpfen, stehen im absurden Gegensatz zu der Nichtigkeit der Informationen und der gekritzelten Form, in der sie notiert und gezeichnet sind. Der Pinsel wird zum Schreiben eingesetzt und mit der gewählten wässrigen Acrylfarbe hinterlässt Sandner oft Rinnspuren, die zum rhetorischen Vokabular und Pathos der abstrakten Malerei gehören.
Sandner entzieht der Malerei den großen Auftritt, während er ihn durch bestimmte Kunstgriffe, Affekte und Codes gekonnt zelebriert. Mit diesen widersprüchlichen Herangehensweisen bezieht Sandner den Betrachter in ein Spiel, in dem man verblüfft mit einem „Double bind“ aus Anziehung und Abstoßung, Form und Formlosen zurückbleibt.

Text: Cosima Rainer
Fotos: Verena Nagl